Samstag, 24. Dezember 2016

REZENSION "Plötzlich Banshee" von Nina MacKay



Eine tollpatschige Todesfee und ihr Versuch, die Welt zu retten

Alana ist eine Banshee, eine Todesfee der irischen Mythologie. Sie sieht über dem Kopf jedes Menschen eine rückwärts laufende Uhr, die in roten Ziffern die noch verbleibenden Monate, Tage, Stunden und Minuten seiner Lebenszeit anzeigt. Da Banshees in dem Ruf stehen, Unglück zu bringen, bleibt sie lieber für sich. Allerdings gestaltet sich das gar nicht so einfach, denn Alana kreischt automatisch in bester Banshee-Manier wie eine Sirene los, wenn ihr ein Mensch begegnet, der in den nächsten Tagen sterben wird. Doch dann tauchen in Santa Fe mehrere Leichen auf, die Alana ins Visier des attraktiven Detectives Dylan Shane geraten lassen. Kann sie das Geheimnis der dunklen Sekte lüften, die scheinbar magische Wesen sammelt? Und werden sowohl Detective Shane als auch ihr bester Freund Clay den Kontakt mit Alana überleben?


Seitenanzahl: 393
Preis: 15,00 EUR

ISBN: 978-3-492-70393-2
Verlag: Piper




Die 20-jährige Alana ist kratzbürstig, schlagfertig und spricht offen aus, was sie denkt. Damit strapaziert sie nicht nur die Geduld und die Belastbarkeit von Detective Dylan Shanes Nerven, er amüsiert sich zugleich auch über ihre tollpatschige und temperamentvolle Art, da die High-Heels-liebende junge Frau, kein Fettnäpfchen auslässt und das Unglück nahezu magisch anzuziehen scheint.


Das Leben ist endlich und ich habe mich schon das ein um das andere Mal gefragt, wie es wäre, zu wissen, wie lange man noch zu leben hat. Alana hat diese Fähigkeit, allerdings nur auf andere bezogen. Sie sieht die verbleibende Lebenszeit eines jeden Menschen. Eine Fähigkeit die wie man hier erlebt, Vor- und Nachteile mit sich bringt, denn einerseits nutzt Alana dieses Wissen um Menschen zu retten, deren Zeit fast abgelaufen ist, indem sie versucht ihr Umfeld zu analysieren und die vermeintliche „Gefahrenquelle“ zu entschärfen. Jeder Mensch trifft eigenständige Entscheidungen, die sich auf seine Lebenszeit auswirken, ebenso wie die äußeren Einwirkungen. 

Gott, auf was hatte er sich da eingelassen? Wie unprofessionell konnte man sein? Eine Kaffeeschlacht! War er eigentlich noch bei Sinnen? Okay, das war eine rhetorische Frage. Alana McClary brachte ihn um den Verstand.

Eine Mordserie in Santa Fe versetzt die ganze Stadt in Alarmbereitschaft und auch Alana muss sich endlich eingestehen, dass sie kein normaler Mensch ist und auch ihre Freunde diesbezüglich einige Geheimnisse vor ihr gehütet haben. Gemeinsam mit dem Police Department ermitteln sie in den Mordfällen, nur dass Alana und ihre Freunde die magische Komponente außen vor lassen, denn keiner ahnt etwas von den himmlischen Wesen, die zahlreich in ihrer Mitte vertreten sind. 

Alana wird hier einiges abverlangt, denn sie muss nicht nur die Ruhe und einen kühlen Kopf bewahren, als die Lebensuhr ihres besten Freundes auf einmal rasant an Zeit verliert, sondern auch noch erfahren, dass der Tot ihrer besten Freundin Ava vor ein paar Monaten der Beginn etwas viel Größerem war. Hinzukommend das ihr „Detective Sockenschuss“ auch noch ihre Gefühle aufmischt, scheint das Chaos perfekt, da dieser Dickkopf von Mann eine Ablenkung ist, die Alana zurzeit gar nicht gebrauchen kann. Ihr einziger Lichtblick scheint ihr 21ster Geburtstag, welcher für eine Banshee eine besondere Bedeutung hat.

>>Ist irgendwas? Haben dir die Würstchen etwas Angst eingejagt? Ein Allergieschock?<< Missbilligend sah Alana zu ihm auf. >>Wirklich sehr witzig. Bist du jetzt im Komikermodus oder wie?<< >>Geladen und entsichert<<, grinste Dylan.

Morgan ist ihrer Entführung und damit ihrem Tod, dank Clay entkommen, sie scheint einiges Licht ins Dunkel bringen zu können, hat dabei allerdings auch ihr eigenes Päckchen zu tragen. Die Last eines Familienerbes, die Ermordung einer Bezugsperson und ihre Krankheit. Sie liefert wichtige Anhaltspunkte, welche jedoch keine konkrete Spur erkennen lassen.

Clay ist ein quirliges Kerlchen. Egal was auch passiert, er strahlt Lebensfreude aus und weiß jede Situation mit seinen neckenden Sprüchen aufzulockern. Dylan ist ihm ein Dorn im Auge, weshalb es zwischen den beiden Männern oft zu einem verbalen Hahnenkampf kommt, bei dem Clay sein Glück überstrapaziert und den dunkeln Mächten dabei genau in die Finger zu spielen scheint. Sein Temperament macht ihn berechenbar, doch seine Gefühle für Alana stellen eine Schwachstelle da, die ein jeder unterschätzt. 


Wenn ich die einzige Hoffnung der Menschheit war, sollte die sich lieber warm anziehen. Ich meine, niemand legt sich so oft auf die Schnauze wie ich! Wie sollte das gut gehen?

Der Plan der dunklen bezieht sich auf die magischen Wesen, hat allerdings fatale Folgen für die Menschheit. Es bedarf einem besonders seltenen magischen Wesen um das Ritual des Dián Mawr zu vervollständigen, doch ebenso wie Alana und ihre Freunde, haben auch die dunklen einen Plan B und in diesem spielt die junge Banshee eine Rolle, die sie bis zum Ende nicht als Möglichkeit in Betracht gezogen hat. 

Wer steckt hinter den Morden? Welches Ziel wird verfolgt? Die dunklen scheinen Alana und ihren Freunden immer ein Schritt voraus zu sein und die Mitglieder von Petrus Army scheinen ihre Augen und Ohren überall zu haben. Wird Alana Clay, trotz ihrem Hang jegliches Unglück anzuziehen, retten können? Werden sie den Plan der dunklen vereiteln und die Menschheit beschützen? Ein Buch voller Spannung, Abenteuer, welches mit einem Quäntchen Magie für mich zu einem Lesehighlight erwachsen ist.


Alana redet, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, getreu dem Motto: Wie kann ich wissen was ich denke, bevor ich höre was ich sage. Dennoch ist sie eine durchweg herzliche Person, die trotz ihrer kleineren Eskapaden nie die Hoffnung und Zuversicht verliert. 

Während Dylans Zusammenarbeit mit Alana bekommt er so einiges geboten, seien es die rekordverdächtigen Anhäufungen von Unfällen in ihrer Nähe, ihre vermeintliche Würstchen-Allergie oder, dass diese Frau anscheinend zwei linke Füße besitzt. Selbst ein Knock out durch sie schreckt den Detective nicht ab, er weiß, dass die Privatdetektivin etwas zu verbergen hat, allerdings ahnt er nicht, dass die Mordserie in Santa Fe zur weltweiten Bedrohung erwächst und auch seine Lebensuhr bereits den Countdown seiner letzten Lebensstunden zählt.


Nina MacKay hat mich mit „Plötzlich Banshee“ voll und ganz begeistert. Obwohl diese Geschichte einige fantastische Elemente beinhaltet, so steht in meinen Augen, die Freundschaft im Vordergrund, ebenso wie du Botschaft, das Andersartigkeit, kein Grund dafür ist, sich zu schämen oder zu verstecken. Insbesondere mit der Protagonistin Alana ist der Autorin ein liebenswerter Charakter gelungen, den ich nicht mehr vergessen werde. Sie ist flippig und vorlaut, dabei aber immer natürlich und auf den Schutz ihrer Freunde bedacht. 

Die Feen und Elfen der Geschichte lernen wir zwar nur oberflächlich kennen und erhalten nur wenig Einblick auf ihre Fähigkeiten, die Hintergrundgeschichte dieser Wesen hingegen – die um einiges Interessanter ist – wird immer weiter aufgearbeitet, bis uns zum Schluss sämtliche Details offen liegen. 

Ebenso die Konflikte, denen unsere Charaktere ausgesetzt waren, sind gut gewählt worden, gleichsam wie die dadurch hervorgerufenen Reaktionen. Eine tiefe Freundschaft erweist sich augenscheinlich als Fassade purer Berechnung und Alanas Fähigkeiten werden für sie zu einer Zerreisprobe zwischen einer Person, die für sie schon immer die einzige Familie war. Auch die Konfrontation zwischen Alana und Brianna war interessant. Obwohl ich Alanas Zurückhaltung ihr gegenüber vollkommen nachvollziehen kann, so war Briannas Erklärung ebenso plausibel. Für die junge Banshee hat es den Anschein, als wäre Brianna damals den einfachsten Weg gegangen, doch nach ihrem Einsatz und selbstlosen Handeln zu urteilen, war dies der schwerste Weg um Alana die nötige Sicherheit zu gewährleisten.

Dylan ist ein verschlossener Charakter, der Alana verbal zwar auf Augenhöhe begegnet, dennoch aber recht undurchschaubar ist. Der Grund seines Verhaltens wird hinterher von einer anderen Person offen gelegt, hier hätte ich es zwar schöner gefunden, wenn Dylan selbst derjenige gewesen wäre, der uns einen tieferen Einblick zu seiner Person erlaubt hätte, ebenso wie ich seine Reaktion auf die Offenbarung von Alanas Geheimnis gerne mitverfolgt hätte, anstatt eine „Stellungnahme“ Alanas dazu, dennoch finde ich, hat dieses Buch die volle Bewertungspunktzahl verdient.

Das Ende ist dramatisch, hat mich aufatmen lassen und ist ein Happy End der anderen Art. Die Geschichte habe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge beendet, ebenso wie Alana die auf das Glück eines neu wachsenden vierblättrigen Kleeblatts hofft.




Über die Autorin:

Nina MacKay, geboren irgendwann in den ausgeflippten 80er Jahren, arbeitet als Marketing Managerin (wurde aber auch schon im Wonderwoman-Kostüm im Südwesten Deutschlands gesichtet). Außerhalb ihrer Arbeitszeiten erträumt sie sich eigene Welten und führt imaginäre Interviews mit ihren Charakteren. Gerüchten zufolge hat sie früher als Model gearbeitet und einige Misswahlen auf der ganzen Welt gewonnen. Schreiben ist und war allerdings immer ihre größte Leidenschaft.

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- Piper -



Weitere Bücher der Autorin:
"Rotkäppchen und der Hipster-Wolf"
"
Queen on Heels"


Danke!

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