Mittwoch, 17. September 2014

REZENSION "Lust" von Isabella Frey

Lass mich befehlen. Gib dich hin.
Ja, Meister.

Felicitas hält die Männer auf Abstand. Eine feste Beziehung kommt für sie nicht in Frage. Stattdessen genießt sie es in One-Night-Stands, Kontrolle auszuüben. Bis sie auf Markus trifft, der ihr zeigt, wie heiß es sein kann, dominiert zu werden. Doch er fordert nicht weniger als ihr absolutes Vertrauen. Kann Felicitas sich auf sein Spiel einlassen?

Seitenanzahl: 315
Preis: 7,99 EUR
ISBN: 978-3-548-28622-8
Verlag: Ullstein



Cover:

Das in Sepia gehaltene Cover gefällt mir sehr. Der Mann und die Frau nehmen den ganzen Raum ein und beide strahlen auf eine andere Weise Dominanz aus. Der Buchtitel ist gut eingebunden und passt zum äußeren Erscheinungsbild.


Meinung:

Mit Problemen umzugehen, handhabt jeder anders. Manche schaffen es mit der Hilfe von Freunden wieder aus diesem tiefen Loch raus, andere wiederum verdrängen die Angst und den Schmerz. Beide Varianten helfen dabei, wieder am Leben teilzunehmen, aber nur eine lässt einen das Leben auch genießen.

Markus und Feli haben ihr eigenes Päckchen an Last der Vergangenheit zu tragen. Ich bewundere Felicitas dafür, so engagiert und zielstrebig in ihrem Beruf zu sein. Sie meistert ihren beruflichen Alltag klasse und lässt sich nicht von ihrem Kollegen Alex aufs Glatteis führen. Auch das Feli solch eine Beherrschung im Umgang mit ihrem frauenfeindlichen Chef hat, finde ich sehr bemerkenswert. Leider ist es keine Seltenheit, dass Männer denken, Frauen haben in Führungspositionen nichts zu suchen. Gut das sie sich davon niemals hat unterkriegen lassen und gezeigt hat was in ihr steckt.

Der Schlagabtausch zwischen Alex und Feli war sehr erfrischend und die Abreibung die Markus ihm im "Cadeau" verpasst hat, war bei ihm mehr als notwendig. Auch Feli hat die Begegnung mit Markus nicht kalt gelassen und hat ihm so erstmals einen Schritt in ihr Leben machen lassen.

>>Ich stelle jetzt mein Auto dort vorne ab. [...] Dann wirst du mich fragen, ob ich noch auf einen Kaffee hinaufkommen will. Und dann sprechen wir in aller Ruhe darüber, welchen Quatsch du heute gemacht hast.<< >>Nur über meine Leiche.<< >>Sehr gut.Das war ein Ja, mein Zuckerpüppchen.<<

Markus hat mich mit seiner Art immer wieder zum schmunzeln gebracht. Er ist an seiner Vergangenheit gewachsen, während Feli sich hinter ihrer Fassade versteckt.

>>Du hast nicht gerade Zuckerpüppchen zu mir gesagt?<< [...] >>Wenn du es gehört hast, wird es schon stimmen. Wäre dir Häschen lieber? Oder...<< >>Stute?<< >>Hör auf mit diesem Unsinn auf, Markus!<< [...] >>Okay, dann bleibe ich bei Zuckerpüppchen<<

Das Feli im Zwiespalt mit sich selber steht und nicht weis ob sie sich auf den Deal mit Markus einlassen soll, kann ich einerseits gut nachvollziehen, doch für mich als Leser war ihr ständiges hin und her ziemlich nervenaufreibend, sodass ich vor Markus für sein Durchhaltevermögen den Hut ziehe.

>>Du machst es mir ganz schön schwer, weißt du das? Normalerweise fühlen die Frauen sich geehrt, wenn ich sie nach Hause fahre. Ich bin es gewohnt, dass die Frauen mir zu Füßen liegen.<< >>Arroganter Macho<< 

Die Fantasie der beiden lässt wirklich nicht zu wünschen übrig. Sie verlieren sich in spannenden Welten von denen Feli wieder einmal nicht weis ob sie wirklich mitspielen soll oder nicht. Ihr Protest hingegen konnte ich nicht ernst nehmen, ich glaube sie wusste, dass sie es wollte und hat durch ihre Aussagen einfach nur versucht sich besser zu fühlen. An der Stelle, an der sie nun wirklich das "Safewort" verwendet hat, sind mir allerdings beinahe die Augen aus dem Kopf gefallen und Markus hätte ich am liebsten in den Arm genommen und getröstet. 

>>Hey, mein kleines Kätzchen<<, sagte er und grinste breit. >>Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Meine süße Feli als Kätzchen ... hattest du nicht mal diese seltsame Katzenmaske?<< >>Aber pass auf, Kätzchen haben scharfe Krallen.<< 

Das Buch war voller Spannung und Abenteuer. Eine Frage ist mir aber leider nicht beantwortet worden. War es Alex oder Phillipp, vielleicht auch beide zusammen, die Feli etwas anhängen wollten? Gibt es einen Schrecken mit Ende? Oder ein Schrecken ohne Ende? Findet es heraus und lasst euch in eine spannende Welt entführen.


Charaktere:

Felicitas harte Schale, weicher Kern. Eine Fassade die sie um sich herum errichtet hat, nachdem sie von ihrem Vater enttäuscht wurde. Vertrauen zu fassen und damit verletzlich zu werden ist etwas, was Feli seit dem meidet. Doch wer könnte sie besser verstehen, als jemand der in seinem Leben ebenfalls schlimmes erlebt hat?

Markus jung, dumm, naiv - doch all das ist er heute nicht mehr. Er hat aus seinen Fehlern gelernt und hat es sich als Aufgabe gesetzt, Felis harte Schale zu durchbrechen und innerstes nach außen zu kehren. Ob er sein Ziel erreicht? Die Schale scheint dicker zu sein, als er gedacht hat.


Schreibstil:

Isabelle Frey hat mich ihrem Einfallsreichtum überzeugt. Mittlerweile habe ich schon mehrere Bücher dieser Art gelesen und eins ist hier anders, hier wird auch der Frau einmal die Führung überlassen. Die Autorin hat die Unsicherheit von Feli in dieser Situation gut veranschaulicht und eine Seite an ihr gezeigt die man aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbild nicht vermutet hätte.


Bewertung:





Zur Autorin:

Isabella Frey (Jahrgang 1986) wuchs in Ingolstadt an der Donau auf. Nach dem Studium hat es sie der Liebe wegen in das idyllische Allgäu verschlagen, wo sie heute mit ihrem Mann lebt und den Blick auf die Berge genießt. Wenn sie nicht schreibt, ist sie am liebsten in der Natur unterwegs oder zieht mit Zelt und Rucksack durch Skandinavien. Unter freiem Himmel kommen ihr auch die besten Ideen für ihre Bücher, in denen es ihr vor allem um eines geht: um dieses ganz spezielle Prickeln, das zwischen zwei Menschen entsteht, die einander entdecken.

- Ullstein -


Weitere Bücher der Autorin:

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