Montag, 29. September 2014

REZENSION "Im Hause Longbourn" von Jo Baker


Im Hause Longbourn müht sich die junge Sarah über Wäschebottichen und Töpfen ab. Aber sie hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass das Leben mehr für sie bereithält. Ist die Ankunft des neuen Hausdieners James ein Zeichen? Während Elizabeth Bennet und Mr Darcy von einem Missverständnis ins nächste stolpern, nimmt im Hause Longbourn noch ein ganz anderes Liebesdrama seinen Lauf – denn James hütet ein Geheimnis von großer Sprengkraft. 



Seitenanzahl: 447
Preis: 19,99 EUR
ISBN: 978-3-8135-0616-7
Verlag: Knaus




Cover:

Der Raum mit den hohen Wänden passt gut zu dem, was ich mir zum Haus Longbourn vorstelle. Das Dienstmädchen im Hintergrund wirkt mit den vor dem Körper gehaltenen Armen und dem zur Seite geneigtem Kopf als möchte es möglichst unauffällig wirken. Bei der Frau im Vordergrund kann ich nicht so recht sagen, ob sie auch ein Dienstmädchen darstellen soll, oder ob sie eine höhere Stellung hat. Jedenfalls steht sie sicherer und selbstbewusster da.



Meinung:

Das man es früher nicht leicht hatte, dass habe ich mir schon gedacht, doch wie schwer es wirklich war, ist mir erst durch dieses Buch bewusst geworden.


Das einzig Gute an diesem Tag war, dass er fast vorbei war.

Sarah hatte ich schon von Anfang an ins Herz geschlossen. Die Arbeiten die sie verrichten muss sind wirklich nicht zu beneiden. Sie schuftet von früh bis spät und egal wie zuwider ihr diese Arbeit ist, sie erledigt sie ohne Einwende. Nicht nur das es einen die viele Arbeit auszehrt, auch ihre Hände und Füße müssen schwer darunter leiden. Wir haben es wirklich leicht, wenn heute etwas dreckig wird, dann stecken wir es einfach in die Waschmaschine und fertig. Sarah hingegen musst die Kleider erst einmal auseinander nehmen damit sich die Stoffe nicht verfärben um sie danach wieder fein säuberlich anzunähen. 


Wo wir auch sein mögen auf dieser Welt, es ist immer unter Gottes Himmel, dachte sie.

Die Bewohner im Hause Longbourn haben alle ihre Ecken und Kanten. Jeder hat seine Eigenart, die ihn zu etwas besonderem macht. Sei es die verspielte Polly die sich leicht um den Finger wickeln lässt und dennoch ein liebenswerter Charakter ist der durch ihre unbeschwerte Art, den ein oder anderen Lichtblick ins Haus bringt.
Mrs Hill ist eine liebevolle Frau, die die beiden Mädchen Sarah und Polly wie ihre eigenen Kinder behandelt und liebt und das war zu der Zeit damals alles andere als selbstverständlich. Gerade dieser Umgang miteinander schafft eine Atmosphäre die zu einem guten Arbeitsverhältnis beiträgt. Doch wie eine Mutter nun einmal so ist, schürt sich auch schnell Skepsis in ihr, so wie zu Beginn gegen Ptolemy.

Ptolemy hebt sich von den Männern in der Geschichte ab. Er ignoriert Sarah nicht und sieht sie nicht nur als Dienstmädchen für alles. Er bringt sie zum lächeln und überzeugt durch seine natürliche Art.



>>Ach, und diese Biester! Wussten Sie das? Haben Sie die Kühe gesehen? Die laufen frei herum! Noch nicht einmal den Vortritt haben sie mir gelassen. Können Sie sich das vorstellen? die gehören eingesperrt.<< 

James hat es als Neuankömmling im Hause Longbourn nicht leicht. Er muss sich bei den anderen beweisen und das schafft er auch ganz gut, doch obwohl seine umsichtige Art gut gemeint ist, lässt sich Sarah nicht so leicht beeindrucken, weshalb sie ihm auch oftmals die kalte Schulter zeigt. James lässt sich davon jedoch nicht unterkriegen, ganz im Gegenteil, gerade diese Seite an Sarah zieht ihn besonders an. Gerade eingelebt scheint ihn doch seine Vergangenheit einzuholen uns so fasst er einen Entschluss, an dem nicht nur er zu knabbern hat. Wie weit selbst Mrs Hill dadrin verstrickt ist und was sie verheimlicht hätte ich niemals vermutet. 

Lasst euch in eine Welt entführen in der nichts selbstverständlich ist und lüftet das Geheimnis von James und Mrs Hill ;)


Charaktere:

Sarah hegt den Traum die Welt kennen zu lernen und zu reisen, denn sie glaubt, dass ist der Schlüssel zum Glück. Doch als sie dadurch von Menschen getrennt wird die sie liebt, lernt sie was wirklich wichtig ist um ein erfülltes Leben zu führen und ist bereit dafür zu kämpfen.

James hält sich bedeckt und gibt nicht viel von sich preis, gerade Sarahs Neugierde wird dadurch geweckt. Als ihm jedoch damit gedroht wird seine Vergangenheit auffliegen zu lassen, muss er sich entscheiden was ihm wichtiger ist. 


Schreibstil:

Jo Baker hat mit ihrem Buch gezeigt, dass die Definition von Arbeit zwischen damals und heute weit auseinander liegt. Dinge die wir als selbstverständlich hinnehmen oder heute mal ebend so erledigt werden, waren früher echte Knochenarbeit die starke Blessuren zurückgelassen haben. 

Die Autorin hat ein unheimliches Talent dafür die Umgebung sehr bildhaft darzustellen und man sich gut in die damalige Zeit einfühlen kann. 
Der Aufbau der Geschichte hat es ermöglicht die Sichtweise von jedem Charakter zu betrachten und dabei seine Ecken und Kanten festzustellen, die ihn einzigartig machen und er so aus der Geschichte nicht mehr wegzudenken ist.


Bewertung:





Zur Autorin:

Jo Baker wurde in Lancashire geboren und studierte an der Oxford University und der Queen’s University in Belfast, wo sie ihre Leidenschaft fürs Schreiben entdeckte. Seither veröffentlichte sie fünf Romane, die ihr in der Presse viel Lob einbrachten. Mit "Im Hause Longbourn" gelang ihr der internationale Durchbruch. Jo Baker lebt mit ihrer Familie in Lancaster.

- Knaus -

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