Freitag, 27. Februar 2015

REZENSION "Der Ritter und die Bastardtochter" von Annika Dick

Seitenanzahl: 215
Preis: 4,99 EUR
zum Buch: *Klick*
Verlag: books2read

„Brenne, du Hexe!“ Mit Todesverachtung steht Rayne auf dem glimmenden Holzhaufen, der ihr Schicksal bedeutet. Die Menge schreit nach ihrer Hinrichtung. Gleich lodern die Flammen hoch, fressen sich in ihre zarte Haut – da kämpft sich ein fremder Krieger vor, zerschlägt ihre Fesseln und reitet mit ihr davon. Nur zu welchem Preis? Rayne spürt seinen finsteren Blick auf ihrer Haut. Nicholas Kendall, der Earl of Ravenglass, weiß genau, wie sie ihm die Freiheit vergelten kann. Er zwingt sie, seinen Bruder zu heilen! Wütend folgt sie ihm auf seine Burg – doch eines schwört sie sich: dem Ritter zu zeigen, wie widerspenstig Hexen wirklich sind …


Cover:

Die Robe der Charaktere gefällt mir sehr gut. Man fühlt sich gleich um einige Jahrhunderte in die Vergangenheit versetzt und ich wollte so schnell wie möglich in dieses Buch abtauchen. In Verbindung zu der Geschichte frage ich mich jedoch, wie man in dieser rothaarigen Frau etwas bösartiges erkennen kann? Sie wirkt so liebevoll und zerbrechlich und gleichzeitig strahlt ihr Blick eiserne Stärke aus. In meinen Augen ein sehr gelungenes Cover.


Meinung:

Die Hexenverfolgung zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert hat viele Leben auf dem Scheiterhaufen gefordert. Auch Rayne ist dem Tod nur knapp von der Schippe gesprungen. In einer stürmischen Nacht geboren, rote Haare und ihre "Kräfte" lassen die Menschen ebenfalls davon ausgehen, dass es sich bei ihr um eine Hexe handelt. Das Thema Hexerei hin oder her, angenommen es hätte wirklich Menschen mit magischen Kräften gegeben, warum sollte jede Magie schlecht sein? In Rayne habe ich zu keinem Zeitpunkt eine Bedrohung gesehen oder etwas, dass mir Angst eingeflößt hat. Gerade in der damaligen Zeit hätten sich die Leute doch glücklich schätzen können, wenn jemand es schafft Krankheiten zu heilen. 

Nicholas, Niall und Joanna sind diesem Glauben glücklicher weise nicht verfallen. Sie erkennen, was den anderen von ihrer Oberflächlichkeit belastet verborgen bleibt. 
Nicholas hat auf mich anfangs eher etwas kühl gewirkt, doch schon nach kurzer merkt man, wie seine Distanziertheit bröckelt. Obwohl er der Earl of Ravenglass ist, wirkt er zu keinem Zeitpunkt wie jemand, der überheblich ist oder seine Macht demonstrieren muss, indem er sein Volk unterdrückt. Ebenfalls macht er sich nichts aus den irrtümlichen Betrachtungen seiner Gefolgsleute und steht Rayne zur Seite. 


>>Als ihr fragtet, wie schlimm Eure Narben sind, ging ich davon aus, dass Ihr Euch Sorgen darüber macht, dass sie jemanden erschrecken könnten.>> >>Könnten sie das denn?<<, fragte sie leise. Nicholas antwortete, ohne zu zögern: >>Nur einen Narren. Für jeden anderen muss jede einzelne Narbe eine Kostbarkeit sein.<< >>Kostbar?<< [...] >>Kostbar, wie Euer Leben.Jede einzelne dieser Wunden hat Euch dem Tod näher gebracht. Und jede einzelne Narbe zeigt, dass Ihr ihm entkommen seid.<<

Auch Joanna hab ich schnell lieb gewonnen. Die jüngere Schwester von Nicholas weiß schon seit langer Zeit, welches Geheimnis Rayne hütet, ein Geheimnis was noch nicht einmal ihrem Bruder bekannt ist. Nichts desto trotz, legt sie keinen Wert auf die Anschuldigungen, gibt sich Mühe, Rayne als Menschen kennen zu lernen und findet in ihr bald schon eine Freundin. Ihr Eifer hat mich beeindruckt, denn obwohl sie von ihren Brüdern eher klein gehalten wird, um sie besser beschützen zu können, möchte sie jedem beweisen, dass sie ebenfalls erwachsen ist und eine Hilfe sein kann. So lernt sie mit großem Elan von Rayne, wie man von der Natur gegebene Dinge zur Heilung der Menschen verwenden kann.

Obwohl Rayne keine guten Erinnerungen an Ravenglass hat, hat es mich nicht gewundert, dass sie doch so ohne weiteres dazu bereit war, wieder dort hin zurück zu kehren um Nicholas Bruder Jacob zu heilen. Dies war für mich wieder einmal ein Beweis, dass so gar nichts böses in dieser jungen Frau schlummert, sie hilft fremden Menschen bereitwillig ohne eine Gegenleistung dafür zu verlangen. 

>>Man gewöhnt sich an Schmerzen.<< 

Schmerzen haben Rayne und ihre Halbschwester in vielerlei Hinsicht erfahren. Sei es den Spott und die Abneigung, die Rayne oder die körperliche Gewalt, die auch ihre Schwester von Bruder und Ehemann erfahren haben. Der Unterschied zwischen diesen beiden Frauen ist jedoch, dass Rayne durchgehend von einer inneren Stärke den Demütigungen aufrecht gegenüber stehen konnte, während ihre Halbschwester erst mit der Angst ihres bevorstehenden Todes den Mut entwickelt sich aufzulehnen und das zu sagen, was ihr schon so lange auf der Seele brennt. 

Der Scheiterhaufen bekommt sein Opfer, doch wer es sein wird und was hinter Jacobs Krankheit steckt, dass müsst ihr selber herausfinden ;)


Charaktere:

Rayne wird Tag für Tag mit Abneigung konfrontiert. In einer stürmischen Nacht geboren, ihren roten Haaren und ihrer Fähigkeit zu Heilen gibt sie für viele der Menschen das Bild einer Hexe ab. Auf dem Scheiterhaufen stehend, hat sie sich schon fast mit ihrem Tod abgefunden, doch da tritt Nicholas in ihr Leben und verändert alles.

Nicholas ist der Earl of Ravenglass und gibt nichts auf das Hexengerede der Leute. Er sieht in Rayne die einzige Chance, seinen Bruder vor dem Tod zu bewahren, doch ihre Stärke und ihr Mut rufen in ihm noch ganz andere Gefühle wach.


Schreibstil:

Annika Dick hat mich mit ihrer Geschichte ein paar Jahrhunderte in der Zeit zurückversetzt und mir eine Reise geboten, die mich voller Spannung gefangen gehalten hat.
In vielen Geschichten finde ich es bewundernswert, wie es die Autoren schaffen, so viele unterschiedliche Charaktere zu schaffen, zwischen Gut und Böse zu wechseln und denjenigen, die dem gleichen Bereich angehören noch ihren eigenen individuellen Schliff zu geben. Der Autorin ist das hier sehr gut gelungen.

Ich hoffe noch weitere Bücher der Autorin lesen zu können und würde mich freuen, wenn vielleicht sogar Joanna und Niall ihre eigene kleine Geschichte bekommen.


Bewertung:







Zur Autorin:

Annika Dick wurde 1984 im Nordpfälzer Bergland geboren. Nach dem Abitur absolvierte sie eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin und arbeitet heute in der IP-Abteilung einer Wirtschaftskanzlei. Das Erzählen und Niederschreiben von Geschichten hat sie schon in ihrer Kindheit fasziniert und seitdem nicht losgelassen.

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