Samstag, 23. April 2016

REZENSION "An den Rändern der Nacht" von Isabel Morland

Eine Frau ohne Vergangenheit.
Ein Verbrechen ohne Namen. 
Eine Liebe, die ihren Tribut fordert.

Eine junge Frau leidet an Gedächtnisverlust, spontan und aus der Not geboren nennt sie sich „Audrey Lafayette“. Verloren und von Angst getrieben, irrt sie durch Paris, ehe sie dank eines Zufalls eine Stelle als Hausmädchen in einer Botschaft ergattert. Für Audrey ist dies die Chance auf einen Neuanfang. Schon bald zieht sie die Aufmerksamkeit von gleich zwei jungen Männern auf sich, doch die behütete Atmosphäre in ihrem neuen Zuhause trügt. Audrey ahnt nicht im Geringsten, dass jeder in dieser Botschaft ein falsches Spiel treibt, und nichts so ist, wie es scheint. Denn durch ihre Ankunft gerät eine sorgsam vorbereitete Intrige ins Wanken. Ihre Verletzlichkeit, ihre Attraktivität bringen sowohl Luc, der für den französischen Geheimdienst arbeitet, ebenso wie Philippe, der als Mitglied der korsischen Mafia auf den Botschafter angesetzt ist, dazu, ihre Aufträge zu vernachlässigen. Zunächst kann sie sich nicht zwischen den beiden Männern entscheiden, doch als sie mit Luc eine leidenschaftliche Liebesnacht verbringt, eskaliert das fragile Gefüge in der Botschaft. Audrey befindet sich unversehens in einem mörderischen Intrigenspiel, in dem sie nicht einmal sich selbst vertrauen kann. Denn immer noch weiß sie nicht, warum sie ihr Gedächtnis verloren hat. Doch eine dunkle Ahnung keimt in ihr …

Seitenanzahl: 282
Preis: 3,99 EUR
Verlag: Edel eBooks


Cover:

Idyllisch und harmonisch, lässt dieses Bild nicht erahnen, was für ein Netz aus Komplott und Intrigen uns in dieser Geschichte erwartet. Das Wahrzeichen von Paris in Form des Eifelturms, symbolisiert den Handlungsort der Geschichte, von dem aus Audrey den Kampf, sowohl um ihre Erinnerung, als auch ihre Identität aufnimmt. 


Meinung:

Nicht vorhandene Erinnerungen, eine junge Frau und eine Tasche mit zwei Initialen - A. L. - als einziger Hinweis auf ihre Identität. Ein Ort, der Geheimnisse birgt und die Angst, die eigenen Erinnerungen wieder zu erlangen, weil sie nicht weiß, was diese für sie bereithalten. Sie versucht sich der Situation bestmöglich anzupassen und wird zu Audrey Lafayette.

Plötzlich kam ihr ein Gedanke. Hastig löste sie den Verschluss. Sie nahm das Medaillon in beide Hände und betrachtete es eingehend. Irgendetwas, so schien es ihr, hatte sie bislang übersehen ...

Im Laufe der Zeit stellt sich die Frage, ist Gedächtnisverlust ein Segen oder ein Fluch? Man hat die Möglichkeit, sich selbst neu zu finden und zu entdecken. Ängste, von denen man nichts mehr weiß, können einen nicht mehr beeinflussen und davon abhalten, zu leben. Was steht dem gegenüber? Was ist, wenn mein "neues" Ich das Gegenteil von meinem eigentlichen Ich ist? Kann ich mir selbst noch ins Gesicht schauen, wenn meine Erinnerungen zurückkommen? 

Wenn ich ohne Vorwissen/Vorurteile an etwas herangehe, habe ich die Möglichkeit mich für Dinge zu öffnen, die mich zuvor blind gemacht haben, sei es eventuell durch Hass oder vielleicht sogar Liebe, die es unmöglich gemacht haben, etwas in einer anderen Perspektive zu betrachten. 

Man kann die Vergangenheit hinter sich lassen, ohne Angst haben zu müssen, dass es einem die eigenen Gedanken unmöglich machen, nach vorne zu blicken. Doch was lässt man zurück? Gibt es Gefahren, um die man besser wissen sollte? Und falls ja, wie kann ich mich schützen, wenn ich nicht einmal weiß wovor? 

Man hat die Möglichkeit eines zweiten ersten Eindrucks. Menschen die man bereits kennt, kann man neu kennen lernen unbelastet von vorherigen Geschehnissen und ohne Vorurteile. Doch sind diejenigen die sich Freunde nennen wirklich Freunde? Bin ich von ihnen beeinflussbar und glaube ihnen, obwohl sie mir die Dinge zu ihren Gunsten darlegen? Kann ich dadurch für diejenigen zur Gefahr werden, die ich Liebe und für die ich eigentlich alles opfern würde?

Drei Zündhölzer eins ums andre angezündet in der Nacht. Das erste für dein Angesicht. Das zweite für deine Augen. Das dritte für deinen Mund. Und dann mag die Nacht mir all das wieder ins Gedächtnis bringen, wenn meine Arme dich umschlingen.

Gedächtnisverlust ist ein kleines Wort, hinter dem so viel verborgen liegt. Für Audrey ist dies eine gefährliche Reise auf dem Weg zu sich selbst, umringt von einer Welt, bestehend aus zahlreichen Geheimnissen. Wird sie erhobenen Hauptes aus diesem Erlebnis hervor gehen? Oder wird ihr ihre Unwissenheit zum Verhängnis?


Charaktere:

Audrey vereint zwei Seiten in sich. Sie ist eine verängstigte Frau, die nicht weiß, wer sie ist, warum sie sich in Paris befindet und versucht, sich durch die Gegebenheiten zu kämpfen. Die Ungewissheit nagt an ihr. Auf der anderen Seite, weiß sie sich mit ihrer temperamentvollen Art zu behaupten und ihren Standpunkt darzustellen. Zwei Kontroverse, die die Faszination von gleich zwei Männern auf sie lenkt. Mit ihr gerät alles ins Wanken, doch wie kann sie einschreiten wenn sie nicht einmal weiß, welche Rolle sie auf beiden Seiten, von Mafia und Geheimdienst, spielt?


Schreibstil:

Begründet durch Audreys Gedächtnisverlust, hat Isabel Morland das Potenzial ihrer Geschichte voll ausgekostet. Zahlreiche Faktoren treffen hier aufeinander, die sich immer mehr zu einer Einheit verbinden. Die Lücken ihrer Erinnerungen werden nach und nach aufgeschlüsselt, doch reichen diese Fetzen nicht um alle Puzzelteile lückenlos zusammen zu fügen. Ein Entwicklungsprozess, der bei mir für Nervenkitzel gesorgt hat.

Philippe steht, ebenso wie Audrey, im Dienst des Botschafters und übernimmt harmlose Tätigkeiten als Bediensteter und Chauffeur, doch ihm werden weitaus größere Aufträge von hoher Instanz zu teil, die das anfänglich harmlose Bild von ihm, in ein ganz neues Licht rücken. Auch bei Luc ist nicht alles so, wie es den Anschein hat. Er wird von Audrey angezogen, sie fasziniert ihn und gleichzeitig spürt er, dass sie ein Geheimnis hat. Mit diesen Charakteren hat die Autorin eine besondere Atmosphäre geschaffen, die für zahlreiche Spannungsbögen sorgen. Wer ist Freund, wer ist Feind? Wer arbeitet für die Guten, wer für die Bösen? Und zu welcher Sorte gehört Audrey letzten Endes? Ein turbulentes Abenteuer, voller unscheinbarer Gefahren.


Bewertung:




Zur Autorin:

Isabel Morland wurde in Deutschland geboren. Sie stammt aus einer Familie mit ausgepägtem Hang zur Literatur. Einen Teil ihres Lebens verbrachte sie in Paris, gefolgt von mehreren Aufenthalten in Großbritannien, das sie bis in die hintersten Winkel Schottlands bereiste. Heute lebt sie mit ihrer Familie und zwei Hunden in Süddeutschland. Ihre Leidenschaft gilt dem Schreiben.

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