Samstag, 15. August 2015

REZENSION "Eisrose" von Astrid Martini


Als Herrin eines exklusiven SM-Clubs genießt Leah das Spiel mit den zahlreichen Sklaven, die sie verehren. Als sie erfährt, dass ihr Vater sich verspekuliert und den Club an den Rand des Ruins getrieben hat, droht ihre heile Welt zu zerbrechen. Um den Club zu retten, lässt sie sich auf einen Deal mit ihrem ehemaligen Schwarm Dominik ein, der sie vor Jahren eiskalt abblitzen ließ: Er wird Teilhaber ihres Clubs, und zudem wird sie ihre Dienste als Herrin in seinem Club in Nizza zur Verfügung stellen. Dort angekommen muss sie feststellen, dass seine Motive von Rache durchtränkt sind, und er zwingt sie, sich ihm zu unterwerfen.

Seitenanzahl: 286
Preis: 8,99 EUR
Verlag: Heyne


Cover:

"Eisrose" von Astrid Martini ist bereits im Januar 2014 im Plaisir d'Amour Verlag erschienen. 
Dominanz und Unterwerfung strahlt das Cover vom Heyne Verlag in vielen Facetten aus. Einerseits wirkt die Haltung der Frau herausfordernd und neckisch. Durch den wenigen Stoff, der die Frau verhüllt, strahlt das Bild zugleich eine Verletzlichkeit aus. Die in violett getauchte Umgebung verleiht der Atmosphäre einen besonderen Schliff und die mit Stuck verzierte Tür, lässt dieses traumhafte Cover noch edler erscheinen. 


Meinung:

Dominanz und Unterwerfung. In Leahs Club und dem ihres Vaters, kann man sich diesbezüglich in jederlei Hinsicht austoben. Für mich war es etwas ungewöhnlich zu lesen, dass Vater und Tochter bzw. im Club von Dominic, Bruder und Schwester wirklich so offenherzig mit dem Thema umgehen. Wenn man so viel Vertrauen in die Menschen setzen kann, mit denen man viel Zeit zusammen verbringt finde ich das toll, allerdings haben die beiden Dous bewiesen, dass dieses Vertrauen nicht allumfassend ist. 

Fremdheit hatte sie schon immer gereizt, ihr stets das Gefühl von prickelnder Lebendigkeit und betörendem Rausch gegeben. Vertrautheit hatte sie hingegen stets gelangweilt, hatte ihre Emotionen abstumpfen, ja sogar absterben lassen.

Nach einem traumatischen Erlebnis, hat sich Leah dazu entschlossen nie wieder in die devote Rolle zu schlüpfen. Als dominierender Part, hält sie nun die Zügel in der Hand. Dom erkennt sofort, dass Leah sich selbst etwas vormacht und obwohl er der jungen Frau bei ihrem ersten Treffen ablehnend gegenübersteht, erkennt er bald, dass Leah ein Puzzel ist, dass er knacken möchte. 
Die Entwicklung von Leah in Doms Club hat mich fasziniert. Ihre Wandlung ist schleichend und als Leser merkt man, dass ihr Wille nicht gebrochen wird, sondern, dass Dom sie wieder auf den Weg zu sich selbst führt. 

>>[...]Dieser Mensch wird nie erfahren, wie sehr er mich verletzt hat. Denn Gefühle sind Zeichen von Schwäche, Zerbrechlichkeit, Sanftheit und Zärtlichkeit. Und das sind Dinge, die mich vor langer Zeit bereits zerbrochen haben.<<

Leah und Dom sind Protagonisten, die sich merklich von den Charakteren anderer Geschichten abheben. Während hier beide ein dunkles Geheimnis aus ihrer Vergangenheit hüten und beide darum wissen, können sie sich in die Lage des anderen hineinversetzen und drängen nicht darauf, hinter des Rätsels Lösung zu kommen. Einerseits hat jeder Geheimnisse von denen man nicht möchte, dass diese an die Oberfläche gelangen, doch andererseits denke ich, dass eine offene Aussprache mit einem Menschen den man so nahe steht, eine befreiende Wirkung hat und man mehr Verständnis für Verhaltensweisen hervorbringen kann.


Ich bin zwar Wachs in deinen Händen, aber ich bin nicht willenlos. Ich werde deinen Befehlen folgen, aber ich tu es nicht bedingungslos.


Dominanz und Unterwerfung sind ein großer Vertrauensbeweis, Dom ist diesen Bereich jedoch überdrüssig geworden. Es gibt viele schöne Frauen, um seinen Spaß zu haben, kann er jede haben, doch weißt Leah neben ihrer devoten Ader noch diese gewisse Verbissenheit auf, die dieses Spiel von Macht und Unterwerfung für ihn neue Bahnen lenkt. Diese Empfindungen lassen den sonst eher abgestumpften Dom wieder zu sich selbst finden, doch der wahre Dom scheut sich hervorzutreten, wurde er doch einmal von jemanden hintergangen, dem er sich damals geöffnet hat.

Der Anflug eines Lächelns glitt über seine Lippen, als sie ihn süß anlachte und als Antwort auf seine Frage den Kopf schüttelte und >>Never!<< hauchte. 

Catherine findet in dem Buch vereinzelt immer wieder Einzug in die Geschichte und obwohl ihre "Auftritte" im kleinen Rahmen sind, spielt sie doch während der gesamten Geschichte eine essenzielle Rolle.

Liebe ist eins der mächtigsten Gefühle, ein Gefühl, dass alle Emotionen und Reaktionen hervorrufen kann. Liebe kann uns zu sich selbst finden lassen, doch kann dieses Gefühl ebenfalls zu einer Gefahr werden.
Hat Catherine wirklich den Freitod gewählt? Auch sieben Jahre später hat sich keine Antwort auf die Frage gefunden, die Gefahr ist aber nach wie vor präsent.


Charaktere:

Leah - Königlich, kühl, herrisch. So gibt sie sich. Schön und edel wie eine Rose, eine Eisrose. Mit ihrem Blick versprüht sie eine Strenge und Unnahbarkeit, die die Männer, mit denen sie sich normalerweise umgibt, zu willenlosen Wesen mutieren lässt. Dominic ist jedoch ganz anders als andere Männer und so muss sich Leah bald entscheiden, ob sie weiter an ihren Vorsätzen festhält oder ob die Zeit gekommen ist, die Vergangenheit ruhen zu lassen und sich für das hier und jetzt zu öffnen.

Dominik ist Fotograf. Kunst und Psychologie vereint er in Aufnahmen, die die Betrachter zugleich faszinieren und schockieren. Das damit verbundene und erforderliche Dominieren und Unterwerfen von Frauen hat jedoch schon lange seinen Glanz für ihn verloren ... bis Leah eine Herausforderung darstellt, die etwas in ihm weckt, was zuvor sieben Jahre in ihm begraben lag. 


Schreibstil:

Astrid Martini hat nicht nur eine besondere Welt um Leah und Dom erschaffen, sondern die Protagonisten auch ihren ganz eigenen Schliff verliehen. Die Entwicklung, die die Charaktere durchlaufen haben, hat mir sehr gefallen, so wird Leahs Sturkopf nicht nur zu einer hart zu knackenden Nuss, sondern auch zu Dominics Weg zu sich selbst.
Besonders beeindruckt hat mich die Autorin mit dem Satz eines Charakters, der uns schon zu Beginn die Antwort auf die wichtigste Frage verrät, doch weil ich diese Option niemals für möglich gehalten hätte, ist mir das offensichtliche bis zum Schluss verborgen geblieben.

Eine wirklich tolle Geschichte, die ich nicht zum letzten Mal gelesen habe ;)


Bewertung:




Zur Autorin:

Astrid Martini ist eine hungrige Leseratte, die mit Vorliebe Bücher sammelt. Immer, wenn sie ein gutes Buch zu Ende gelesen hat, ist es, als müsse sie Abschied von einem Freund nehmen. Der Film Bitter Moon von Roman Polanski hat sie in den 90er Jahren so in Erstaunen versetzt, dass sie mehr über das Thema Dominanz und Unterwerfung wissen wollte. Sie begann, erotische Romane zu lesen. 2006 erschien ihr erster Roman Zuckermond. Neben Büchern liebt sie Katzen, Kerzen, Lachen, Tanzen, Situationskomik und weiße Schokolade.

- Heyne -


Weitere Bücher der Autorin:
















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