Freitag, 28. November 2014

REZENSION "Jenseits" von Meg Cabot

Als Pierce Oliviera mitten im Winter in einen eiskalten Pool stürzt, stirbt sie. Die Ärzte kämpfen um ihr Leben – und können sie schließlich retten. Ein Wunder der Medizin, denken alle. Doch Pierce weiß es besser. Denn ihre Seele war an einem anderen, sehr unheimlichen Ort: der Unterwelt. Und nur durch einen Trick ist sie dem Herrscher über jene Welt entkommen. Niemand glaubt ihr, doch Pierce hat einen Beweis, dass sie dort war: Eine Kette, die gegen das Böse schützen soll, ein Geschenk des mysteriösen John Hayden, den sie dort traf. Doch was, wenn John das Böse ist?


Seitenanzahl: 316
Preis: 12,00 EUR
ISBN: 978-3-442-37967-5
Verlag: Blanvalet



Cover:

Blau auf schwarz gefällt mir gut, dennoch finde ich das Cover etwas zu "unruhig". Es lässt sich viel hineininterpretieren, was die bläulichen Schwingen um die junge Frau wohl zu bedeuten habe, nachdem ich das Buch gelesen habe, wirkt es auf mich wie eine Mischung aus Pierce Situation während des ertrinken im Pool und der Übergang in die Unterwelt.


Meinung:


Die Situation die Pierce durchgestanden hat, würde wohl jeden Menschen verändern. Nichts würde man nach einer Nahtoderfahrung mehr als selbstverständlich nehmen und selbst die kleinsten Dinge sieht man mit anderen Augen. Wenn man so etwas durchgemacht hat, könnte man glauben, dass seine Mitmenschen einen unterstützen und wieder einen Weg in die Normalität finden - aber so sollte es für Pierce nie werden.
Auf den ersten Blick mochte ich ja aussehen wie ein braves Schulmädchen mit honigfarbenen Augen, das seinen Rocksaum vorschriftsmäßig maximal zehn Zentimeter über den Kniekehlen trägt, dachte ich. Aber dir, alter Mann, werde ich heute noch die Franzen von den Schuhen reißen.
Die Lehrer an der Westport Academy of Girls sollten den Umgang mit Jugendlichen eigentlich beherrschen. Unfassbar, dass die Lehrer sich nicht einmal um Pierce bemühen, sondern sie einfach als hoffnungslosen Fall und dummen Menschen ohne Zukunftsperspektive abgestempelt haben. Zugegeben, Pierce hat es den Lehrkräften auch nicht immer einfach gemacht, dennoch frage ich mich, selbst wenn Pierce sich wirklich alles nur zusammenfantasiert hätte, wie soll ein Mensch zurück ins Leben finden, wenn alle anderen einen so schnell aufgeben?   

Pierce hat es in vielerlei Hinsicht nicht leicht, die Bedrohung aus der Unterwelt, ihre Gefühle zu John die sie selber nicht ganz zuordnen kann, ihre Eltern die seit ihrem Unfall getrennt sind und das ihr niemand wirklich zuhört. Die Skepsis von von Pierce Freunden und ihrer Familie kann ich schon gut nachvollziehen. Was oder ob überhaupt was nach dem Tod kommt, kann man selbst mit der entwickeltsten Forschung nicht sagen. Doch für Pierce bedeutet das auch keinen Ansprechpartner zu haben, da ihr einfach niemand glauben schenkt. Ihre eigene Familie erkennt sie seit ihrer Nahtoderfahrung kaum wieder und obwohl sie sich damit abgefunden hat, dass ihre Geschichte nicht auf Begeisterung trifft, wäre es doch hilfreich, wenn sich wenigstens ihre Eltern zusammenreißen würden. Die Reaktion der Mutter war sehr übertrieben. Sich Vorwürfe zu machen oder sogar anderen ist in so einer Situation sicherlich normal, man sucht einen Grund oder einen Schuldigen. Jedoch sollte man dabei nicht die Realität aus den Augen verlieren. Als Pierce den Unfall hatte war sie fünfzehn, also kein kleines Kind mehr, das Gefahren nicht einschätzen kann. Das die Plane des Pools nicht richtig befestigt war, ist schlimm, dennoch finde ich, dass man das nicht dem Vater ankreiden kann. Das sie ertrunken ist, liegt weniger an dem Sturz ins Wasser als die vorherige Kopfverletzung die sie handlungsunfähig gemacht hat.
So schlimm es auch ist sein eigenes Kind beinahe zu verlieren, hilft es keinem, nach einem Schuldigen zu suchen. Man könnte sagen, es war eine Verkettung tragischer Zufälle ... doch war es das wirklich?

>>Lass uns verschwinden<<, sagte er mit vollkommen ruhiger Stimme zu mir, schlang mir einen Arm un die Hüfte und trug mich davon. Kein Hallo. Kein: >>Hi, Pierce.Das war'ne knackige Rechte eben.<< Kein: >>Schön dich zu sehen. [...]<<
John ist ein wirklich schwieriger, aber dennoch sehr liebenswerter Charakter. Er ist ganz schön stur und emotionsgeladen. Viele seiner Reaktionen sind auch gar nicht so gut bedacht, wie z.B. sein Vorwurf gegenüber Pierce, dass er zwar auch nicht gerne in der Unterwelt gefangen sei, er das aber gerne in kauf nehme, um mit ihr zusammen zu sein. Eine Aussage, die im ersten Sinne romantisch ist, dennoch hat John nicht bedacht was das für Pierce bedeutet. Er lebt schon seit knapp 150 Jahren dort unten, mit anderen Worten, auf der Oberfläche gibt es keinen Menschen mehr den er einmal geliebt hat, da diese schon lange tot sind. Für ihn macht es so gesehen keinen Unterschied, ob er auf der Erde wandelt oder sich in der Unterwelt um seine Aufgaben kümmert. Pierce hingegen hat ihr Mutter, ihren Vater, ihren verbohrten Cousin und ihre Freunde. Soll sie das alles aufgeben ohne zu mit der Wimper zu zucken? Obwohl John weiß was Pierce für ein wundervolles Mädchen ist, betrachtet er ihre Aussagen oftmals nur oberflächlich und überdenkt gar nicht wie schwer das alles für sie ist und dabei war auch er in dieser Situation. 150 Jahre sind jedoch auch eine lange Zeit, weshalb er sich vielleicht einfach diesbezüglich nicht mehr in sie hineinversetzen kann.

John ist groß, mächtig und trägt eine große Verantwortung. Harte Schale und weicher Kern, passt bei ihm wie die Faust aufs Auge. Er steht Pierce bei, wo sie sonst niemanden an ihrer Seite hat und in einem einsamen Moment, macht er ihr ein Geschenk, dass auch ihre letzten Zweifel beiseite räumt.

Die Geschichte um John und Pierce ist spannungsgeladen. Mit diesem Buch hat die Autorin gezeigt, egal wie sehr man das Leben anderer beeinflussen möchte, das Herz lässt sich nicht täuschen.


Charaktere:

Pierce ist ein hilfsbereiter Mensch und genau diese Eigenschaft wurde ihr zum Verhängnis. Auch nach ihrer Nahtoderfahrung bringt sie sich immer wieder in Schwierigkeiten, jedoch nur weil sie jetzt nichts mehr so sieht wie vorher. Sie möchte jeden den sie liebt beschützen -  ja, sogar den sturen Mann, der ihr seit Jahren nicht mehr aus dem Kopf gehen will und dem sie nun immer wieder begegnet.

John wirkt nach 150 Jahren in der Unterwelt nach außen hin oft kalt. Pierce schafft es jedoch seine einfühlsame Seite wieder zum Vorschein zu bringen und Gefühle in ihm zu wecken. 


Schreibstil:

Schon mit "Eternity" und "Endless" hat mich die Autorin von ihrem Schreibstil überzeugt. Auch in dieser Geschichte hat Meg Cabot wieder einmal mit ein besonderes Leseerlebnis geschaffen. 
"Jenseits" ist ein Auftakt einer vielversprechenden Reihe, die ganz andere Themen umfasst als ihre bisherigen Geschichten - anders, aber genau so berauschend. Ich wurde von ihr in eine Welt gerissen, in der nichts so ist wie es nach außen scheint. 
Besonders der geschichtliche Hintergrund zur griechischen Mythologie hat mich sehr interessiert. 
Die von ihr geschaffenen Charaktere sind tiefgründig und obwohl Pierce und John so unterschiedlich sind, könnten sie doch nicht besser zueinander passen. 



Bewertung:





Zur Autorin:

Meg Cabot stammt aus Bloomington, Indiana, und lebt mit ihrem Ehemann und ihren zwei Katzen in New York City und Key West. Nach dem Studium hoffte sie auf eine Karriere als Designerin in New York und arbeitete währenddessen u. a. als Hausmeisterin in einem Studentenwohnheim. Mit großem Erfolg, denn immerhin ließ dieser Job ihr genügend Zeit, ihr erstes Buch zu schreiben. Inzwischen hat Meg Cabot mehr als 40 Romane verfasst und ist eine der erfolgreichsten Jugendbuchautorinnen der Welt. Ihre Plötzlich-Prinzessin-Romane wurden von Hollywood verfilmt.


Fortsetzung:

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