Samstag, 7. Mai 2016

REZENSION "Die Liebe ist (k)ein Basketballspiel" von Emma Wagner

Marie hat genug von Männern. Milan hingegen hat genug Frauen, die ihm nachlaufen. Marie ist Journalistin. Und kann mit Sportlern absolut nichts anfangen! Milan ist Basketballer. Und Marie überhaupt nicht sein Typ! 
Dummerweise kennt Maries Chefin kein Erbarmen und so muss sich Marie wider Willen an Milans große Fersen heften. Leider ist es dort schon ziemlich eng, denn Maries Kollegin Viktoria kann es kaum erwarten, mit Milan auf Tuchfühlung zu gehen. Für Marie kein Problem, schließlich interessiert sie sich deutlich mehr für Programmkinos und Experimentelles Tanztheater. Jedenfalls zu Anfang …

Seitenanzahl: 588
Preis: 4,99 EUR



Cover:

Ein farbenfrohes Cover, dass mich gleich neugierig gemacht hat. Die verblassende Landschaft im Hintergrund, hebt die "Zweiteilung" des weiblichen und männlichen Parts hervor. Zwei Welten die getrennt zu sein scheinen und in der Geschichte aufeinander prallen. Kann das gut gehen?


Meinung:

Marie und Milan sind Gegensätze, die sich den ein um den anderen Schlagabtausch leisten und dennoch nicht um das Klischee „Gegensätze ziehen sich an“ herum kommen. Beide spiegeln eine Fassade wieder, die mit ihrem Inneren nicht harmonieren. Während man Milan aufgrund seiner Selbstsicherheit schnell in eine Schublade steckt, so ist es Marie, die schon eine leicht versnobte Art an den Tag legt und augenscheinlich auch erstmal kein so positives Erscheinungsbild auf menschlicher Ebene an den Tag legt, doch wie immer lohnt es sich, hinter die Fassade eines jeden zu blicken, denn dadurch wird der Kern sichtbar, der einen Menschen letztendlich auszeichnet und zu etwas besonderem macht. 

>>[...] Ich habe schon einige Spieler betreut. Und auch einige, denen eine große Karriere vorausgesagt wurde. Doch keiner kam so weit wie Milan. Und wissen Sie auch warum?<< [...] >>Weil sie geblendet waren von ihrem Wunsch nach Ruhm und allem, was er mit sich bringen würde, und sie so ihr eigentliches Ziel aus den Augen verloren.<<

Von seiner Vergangenheit gezeichnet, schützt Milan was ihm wichtig ist, mit einer Vehemenz die über das Normalmaß hinausgeht. Doch auch Marie hat Erfahrungen gesammelt, die sie geprägt haben und sie in ihren Entscheidungen beeinflussen. Ihre Erwartungshaltung anderen gegenüber ist hoch, doch sich selbst verlangt sie genauso viel ab. Mit ihrer temperamentvollen Art facht sie Milan zur Gegenwehr an und was dabei herum kommt ist ebenso spritzig wie amüsant. 

Milan genießt den Erfolg den er erzielt und was dieser mit sich bringt – Frauen. Marie sticht klar aus der Masse heraus, denn wenn er eins nicht kennt, dann das eine Frau seinem Charme nicht erliegt. Auch wenn das Interview mit der jungen Journalistin die andere Interessen als Sport verfolgt, ihn zur Weißglut bringt, so merkt er dennoch, dass Marie einen bleibenden Eindruck bei ihm hinterlassen hat und wie es der Zufalls so will, war dies nur der Anfang und gewiss nicht ihr letztes aufeinander treffen. 

[...] denn so ganz Unrecht hat sie nicht. Und das wurmt mich zu meinem Erstaunen sogar noch mehr als die Tatsache, dass sie mich besser durchsaut hat als ich mich selbst.

Dass es zwischen den beiden zu Missverständnissen kommen wird, habe ich mir schon gedacht, denn beide sind augenscheinlich genau das, was der andere nicht möchte und tatsächlich, die beiden gehen auf Konfrontationskurs. Einerseits finde ich es amüsant, wie sie debattieren und sich gegenseitig mit ihrem Schlagabtausch zu übertrumpfen versuchen, doch wenn es wirklich darauf ankommt, miteinander zu reden, machen sie einen entscheidenden Fehler, der einige Konsequenzen nach sich zieht. 

Auch wenn die beiden nach außen hin wie Tag und Nacht erscheinen, sind sie sich doch ähnlicher als sie denken, denn beide verschließen sich aufgrund vorangegangener Ereignisse und halten ihr wahres ich verborgen, sodass sie schon selbst nicht mehr wissen, wer sie früher einmal waren. Beide haben denselben Weg eingeschlagen, doch jeweils andere Abzweigungen genommen. Werden sie lernen, vertrauen zu fassen und die Wahrheit zu erkennen?


Charaktere:



Marie liebt Kultur und Kunst, mit Sport hingegen kann sie so gar nichts anfangen. Ihre Wesenszüge sind speziell, denn oftmals wirkt sie überheblich und rechthaberisch. Berufliches und privates kann sie nicht trennen, denn beim ersten Zusammentreffen mit dem aufstrebenden Baseballstar Milan, fliegen zugleich die Fetzen. Wie lang wird sie ihre Antipathie aufrechterhalten können, bis sie erkennt, welcher Mann sich wirklich hinter dem Sportler verbirgt?





Milan hat im Baseball spielen eine Leidenschaft entdeckt die ihn erfüllt und sich mühevoll erarbeitet. Auch er legt Verhaltensweisen an den Tag, das negative Image eines Sportlers in Maries Augen unterstreicht und somit ihre Gegenwehr auf die Spitze treibt. Um sein Herz zu schützen und dem zu entgehen, was sie Mutter durchlebt ist er ausschließlich zu kurzen und unverfänglichen Abenteuern mit anderen Frauen bereit. Bis Marie in sein Leben schneit, ihm ordentlich die Leviten liest und sein wahres Ich immer weiter an die Oberfläche trägt. Doch reicht das um alle Mauern einzureißen?  



Schreibstil:

Gegensätze ziehen sich an, bekommt durch "Die Liebe ist (k)ein Basketballspiel" von Emma Wagner, eine ganz neue Bedeutung.

Mit Viktoria und Marie im Vergleich ist der Autorin etwas besonderes gelungen, denn während Viktoria sich Milan nahezu aufdrängt, ohne sein wahres Ich zu erfassen, ist Marie jemand, der sich trotz ihrer Skepsis eines besseren belehren lässt und ein Blick hinter das Image des Basketballspielers wirft. Viktoria steht gleichermaßen für eine Vielzahl seiner weiblichen Fans - sie lieben ihn, wissen jedoch nicht wer ist und was ihn wirklich ausmacht - sie lieben ein Bild das in der Öffentlichkeit geschaffen wurden. 

Die Sichtweise gleich beider Protagonisten finde ich hier sehr relevant, denn hätte ich Marie nur vor den Kopf schauen können, wär es mir wahrscheinlich nahezu unmöglich gewesen Sympathie zu ihr aufzubauen. Durch ihre Gefühls- und Gedankenwelt jedoch, lernt man ihre Marotten und neunmalkluge Art, die mit Ironie und Sarkasmus gespickt ist, als frischen Wind zu schätzen.  

Eine Geschichte die zum lachen und träumen einlädt und einmal mehr beweißt, dass man Menschen nicht in eine Schublade stecken sollte, denn jeder der nach außen hin gefasst wirkt, kann eine traurige Geschichte in sich verbergen, die ihn dazu veranlasst hat, eine sich selbst schützende Fassade nach außen zu richten. Ebenso wichtig ist die Kommunikation untereinander, denn viele Missverständnisse können aus der Welt geschafft werden, wenn man nur bereit ist, sich mit seinem Gegenüber auseinander zu setzen und nicht die Wunden aus vergangenen Tagen erneut die Oberhand gewinne zu lassen und diese Geschehnisse als allgemein gültig zu betrachten.


Bewertung:




Zur Autorin:

Emma Wagner ist eine 1982 in Niedersachsen geborene Autorin.

Zum Studium verschlug es sie nach Heidelberg. Diese herrliche Stadt wurde ihrem Ruf in Emmas Falle mehr als gerecht, denn sie hat ihr Herz in Heidelberg verloren. Dort lebt sie dementsprechend immer noch - inzwischen glücklich verheiratet - mit ihrem Mann und ihren drei Kindern.

Eigentlich hatte sie nie vorgehabt, einen Roman zu schreiben. Seit dem Erfolg ihres Debütromans "Liebe und andere Fettnäpfchen" mit über 40000 Verkäufen kann sie nicht mehr damit aufhören. An Ideen dafür mangelt es ihr auch nicht, nur an Zeit. Schließlich hat sie eine fantastische Familie, die für sie das Wichtigste auf der Welt ist. Daher kommt sie nur spätabends zum Schreiben, wenn - ausnahmsweise einmal - alle Kinder schlafen und sie, ohne über Bauklötze, Matchbox-Autos und Kuscheltiere zu stolpern, an ihren Laptop gelangt.

Da der Spagat zwischen Autorendasein und Mutterschaft nur mit einer gehörigen Portion Humor zu meistern ist, sind ihre Spezialität Liebesromane mit Herz, Humor und Heidelberg.

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Weitere Bücher der Reihe:
"Regie führt nur die Liebe"






















Weitere Bücher der Autorin:
"Amor's Five: Himmelreich mit kleinen Fehlern"
"Das Handy in der  Hummersuppe"
"Liebe und andere Fettnäpfchen"















Danke!


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