Montag, 19. Oktober 2015

REZENSION "Drachenmond" von Sky Landis


Nacht für Nacht wird Alessa Martin von viel zu realen Albträumen heimgesucht, in denen sie sich in einen furchteinflößenden Drachen verwandelt. Trotz dieser Träume kann sie nicht an Magie oder die Existenz mystischer Wesen glauben. Und erst recht nicht daran, dass ausgerechnet sie auserwählt ist, einen Jahrhunderte währenden Krieg zu beenden. 
Als ihr bester Freund sie verrät, werden Alessas Albträume Wirklichkeit. Es verschlägt sie in eine ihr vollkommen fremde Welt voller Magie. Einzig ihre aufkeimenden Gefühle für den charismatischen Clansherren Cameron Warden machen den Gedanken erträglich, nicht in ihr altes Leben zurückkehren zu können. Ihre Liebe steht jedoch unter einem schlechten Stern. Denn dem Gesetz nach muss Alessa den Clansführer heiraten, der zuerst seinen Anspruch auf sie erhoben hat - Camerons Cousin Darius Darkmoore. Nur wenige Tage bleiben ihnen, ehe Cameron Alessa freigeben muss und sie mit seinem Rivalen vor den Traualtar tritt ...

Seitenanzahl: 306
Preis: 9,99 EUR
ISBN: 978-3-943308-15-0
Verlag: Latos Verlag



Cover:

Umgeben von einer kalten Atmosphäre - begründet durch steinernen Boden und einem toten Baum - verkörpert diese zart gebaute Frau von der keine Gefahr auszugehen scheint, eine Präsenz, die von einem starken Willen überzeugt. Der bordeaux Ton unterstreicht einerseits die Einsamkeit der Atmosphäre und strahlt dennoch eine gewisse Wärme aus. Besonders eindrucksvoll finde ich den Mond, der umgeben von wolkenähnlichen Schlieren einen Drachen erkennen lässt.


Meinung:

Alessa wird von Träumen geplagt, die näher an der Realität liegen, als sie zunächst glaubt. Neuerungen im Leben sind häufig etwas, dass uns abschreckt, doch gehen diese Wendungen über unsere Definition von „Normal“ hinaus, ergreifen wir gerne die Flucht. So auch Alessa, die an ihrer Eigenständigkeit klammert. Erst einmal in ihre „Anderwelt“ eingetaucht durchläuft die junge Frau eine stete Entwicklung. 



>> [...] Du kannst diese Sache nicht aussitzen, indem du sie ignorierst.<<

Garwin steht in einer besonderen Verbindung zu Alessa. Gemeinsam in einem Chicagoer Waisenhaus groß geworden, sind sie einander eine wichtige Stütze. Ihm ist bekannt, was Alessa lange Zeit verborgen geblieben ist. Ein Geheimnis zu wahren, kann jemanden schützen, doch ebenso kann Unwissenheit zur Gefahr werden.

Neid und Autorität entfachen das Feuer der Drachenstämme in Hasyra. Ein in der Vergangenheit begonnener Machtkampf der die Welt nach wie vor beherrscht.

Drachen sind majestätische Wesen und die Verkörperung dieser durch Darius und Cameron zeigt, dass sie genau um ihre Wirkung wissen und kein Blatt vor den Mund nehmen. Hohe Erwartungen werden in Alessa gesteckt wodurch sie für viele zu einem heiß begehrten Objekt wird.



>>Versprich mir, dass du ihn nicht zu sehr reizt. Okay?<< >>Warum nicht? Er hätte es verdient.<< >>Weil du bisher wahrscheinlich nicht einmal ansatzweise seine wilde Seite zu sehen bekommen hast. Mach ihn wütend - und damit meine ich fuchsteufelswild - dann wirst du mehr von ihm bekommen, als du dir vorstellen kannst. Und wofür du eventuell bereit bist.<<

Wird sie am Ende ihren Platz finden und Frieden in Hasyra einkehren lassen?



Schreibstil:

Sky Landis hat mit Hasyra nicht nur eine traumhafte Parallelwelt geschaffen, ebenso sehr hat es die Autorin geschafft mich mit ihrer Wortgewandtheit zu begeistern. Facettenreiche Charaktere haben mich auf eine beeindruckende Reise mitgenommen.
Die Darstellung und der Stellenwert von Alessa war eine Wandlung der besonderen Art. Entgegen ihrer eigentlichen Verhaltensmuster, schafft es die junge Frau sich in der neuen Welt zurecht zu finden und dabei sind viele Augen auf sie gerichtet, die große Hoffnung in sie setzen.
Eine wirklich toll ausgearbeitete Geschichte =) 



Bewertung:





Zur Autorin:

Sky Landis, geboren im Januar 1976 und aufgewachsen in Calbe/Saale, ist Mutter zweier Kinder und gelernte Anlagenmechanikerin. Nach ihrem Fachabitur im Bereich Wirtschaft verbrachte sie 16 Monate in den USA. Sky mag es vor allem humorig, gern auch mal schräg und will mit ihren Büchern hauptsächlich eines erreichen: Die Leser sollen sich unterhalten fühlen und Spaß dabei haben.
Unter dem Pseudonym Gillian Hunter schreibt sie fesselnde erotische Liebesromane.




Weitere Bücher der Autorin:
Band 1: "Der Versuchung ergeben"
Band 2: "Der Liebe erlegen"
Band 3: "Catching Love"
Band 4: "Lost in Love - Unstillbare Sehnsucht"
Band 5: "Lover's Touch"








Widerstand zwecklos:
Band 1: "Der Versuchung ergeben"
Band 2: "Der Liebe erlegen"



















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Danke!












Prolog

Chicago 
Rayne lief die dunkle Straße entlang, eine von vielen, seit er vor zwei Stunden in Chicago angekommen war. Er hielt das kleine Bündel unter dem weiten Mantel an seinen Körper gepresst und fasste die Hand seines Sohnes fester. Der anhaltende Nieselregen durchnässte seine Kleidung, ließ seine Haare in dicken Strähnen an der Stirn kleben und Kälte in seinen müden Gliedern emporkriechen. Er war erschöpft, trotzdem durfte er jetzt nicht aufgeben und musste seine Pflicht erfüllen, die ihm alles abverlangte. 
Nur hier konnte er sie in Sicherheit bringen. Lange genug, bis Alessa so weit war, ihnen den lang ersehnten Frieden zu bringen. Sie war die einzige Hoffnung, die ihnen geblieben war. Ein winziger Funken, den es am Leben zu halten galt. 
Dass in dieser Welt jegliche Magie, in deren Nebel er seine Anwesenheit dauerhaft verschleiern konnte, bis auf ein Minimum verkümmert sein würde, damit hatte Rayne gerechnet. Auch wenn er etwas anderes gehofft hatte. Hier gab es keine magischen Wesen wie in seiner Heimat Hasyra. Für ihn gab es keinerlei Schutz, so dass er über sie wachen und sie vorbereiten konnte. Die Entscheidung, die er getroffen hatte, machte ihm das Herz schwer. Er musste sie zurücklassen, um niemanden auf ihre Spur zu bringen, und in seine Heimat zurückkehren.
„Papa?“, murmelte Garwin schläfrig neben ihm. 
Kurz hielt er inne und sah auf seinen gerade einmal sechsjährigen Sohn hinab, der gegen die Müdigkeit anblinzelte und sich mit der Faust ein Auge rieb. Feuchte, blonde Haarsträhnen hingen ihm in die Stirn. Das schmale Gesicht, in dem die grünen Augen riesig wirkten, war von Erschöpfung gezeichnet. Rayne wurde die Brust eng, weil er auch ihn zurücklassen musste. Alessa würde jemanden brauchen, der sie anleitete. Und das würde nicht er, sondern sein Sohn sein, sobald er das richtige Alter erreicht hatte. 
Garwin zog an seiner Hand, riss ihn aus seinen trüben Gedanken und zurück in das Hier und Jetzt. „Ich bin müde, Papa.“ 
„Ich weiß, mein Junge. Ich bin auch müde.“ 
„Wann gehen wir nach Hause?“ 
„Das dauert noch ein kleines Weilchen.“ Seine Hand krampfte sich um die seines Sohnes, doch er zwang sich, zielstrebig weiterzulaufen. Du bleibst nur so lange wie nötig hier, schwor Rayne sich im Stillen, als er um eine Ecke bog und schon von Weitem die Kirche sah, die die anderen Gebäude in der Umgebung meterhoch überragte. Nur noch wenige Meter, bis sie in Sicherheit waren. Und nur noch wenige Augenblicke, bis er von Garwin Abschied nehmen musste. Sanft drückte er das kleine Bündel fester gegen seine Brust und schloss für einen Moment die Augen.
Alessa war jedes Opfer wert. Der nicht enden wollende Krieg, der immer wieder aufflammende Hass, der alles und jeden verschlang, mussten endlich ein Ende haben. Und so würde es auch kommen, davon war er fest überzeugt. Allein dieser Gedanke ließ ihn an seiner Entscheidung festhalten, beide Kinder in die Obhut fremder Menschen zu geben. 
Mit schweren Schritten erklomm er die Stufen zum Kirchenportal und ging vor der zweiflügeligen Holztür in die Hocke, um Garwin besser ins Gesicht sehen zu können. Dann strich er ihm mit einem wehmütigen Lächeln die Haarsträhnen aus dem Gesicht. 
„Du musst mir etwas versprechen“, sagte er mit rauer Stimme. 
„Und was?“ 
Vorsichtig schob er den Mantel beiseite, damit Garwin einen besseren Blick auf das schlafende Baby in seinem Arm hatte. „Versprich mir, dass du auf sie aufpasst. Sei ihr ein Freund, ein Weggefährte und ihr Lehrer.“ 
Verwunderung zeigte sich auf Garwins Gesicht. Die Müdigkeit war wie weggewischt. „Was soll ich ihr denn beibringen? Sie ist doch viel zu klein, kann noch nicht einmal alleine laufen. Und sprechen kann sie auch nicht.“ 
„Das wird sie noch lernen. Alessa wird wachsen, älter werden und sie braucht dich als ihren Freund.“ 
Garwin beugte sich über das Baby, das fest in eine Decke gewickelt war, unter der eine einzelne rötliche Locke hervorlugte, und schaute dann zweifelnd auf. „Wie soll ich denn einem Mädchen etwas beibringen? Und was?“ 
„Das wirst du instinktiv wissen, Garwin. Es liegt in deiner Natur. Du wirst fühlen, wenn sie soweit ist und du wirst sie immer spüren.“ Sanft strich er mit einer Hand über die schmale Brust seines Sohnes. „Genau hier.“ 
„Warum?“ 
„Weil wir alle miteinander verbunden sind und es fühlen können, wenn andere unserer Art in der Nähe sind. Und in ihrem Fall …“, murmelte er wie zu sich selbst und betrachtete ehrfürchtig das kleine Wunder in seinen Armen, „… bin ich mir ganz sicher, du wirst sie immer spüren können. Nutze das zu deinem Vorteil, während du auf sie aufpasst.“ 
„Aber warum muss ich denn auf sie aufpassen?“ Garwin bedachte das schlafende Baby mit einem skeptischen Blick. 
„Weil sie noch so klein ist, wehrlos, und sich ihre Kräfte erst entfalten müssen, genau wie bei dir.“ 
„Werde ich dann ein Krieger sein wie du?“ 
„Ganz bestimmt. Ich weiß, dass du mich unglaublich stolz machen wirst. Egal, ob wir zusammen sind oder nicht.“ 
Garwin zog die Stirn kraus und trat erschrocken einen Schritt zurück. „Heißt das, dass du weggehst? Ohne mich?“ 
„Hier bist du … seid ihr in Sicherheit. Solange eure Kräfte noch nicht erwacht sind, kann euch niemand aufspüren. Wenn ich bleibe, dann bringe ich euch in Gefahr und …“ Er brach ab, als er die Tränen sah, die Garwin tapfer zurückzuhalten versuchte, jedoch kläglich scheiterte. Mit einem aufmunternden Lächeln legte er seinem Sohn eine Hand an die Wange und strich mit dem Daumen eine einzelne Träne fort. Es gab nur einen Weg, Garwin über die schmerzhafte Trennung hinwegzuhelfen. Er suchte seinen Blick und hielt ihn eisern fest. Sanft, und dennoch unnachgiebig, drang er in sein Bewusstsein vor. Garwins Herzschlag beschleunigte sich vor Angst und er beruhigte ihn mit Bildern aus ihrer Vergangenheit – wie er ihm das Schwimmen beibrachte und ihm zeigte, mit einer aus einem dünnen Ast selbstgebauten Angel Fische zu fangen. Zwei kümmerliche Fische, die sie lachend über dem offenen Feuer brieten und nicht einmal ausreichten, um Garwin sattzumachen … aber glücklich. So wie in diesem Augenblick die Erinnerung daran. 
Du wirst vergessen, mein Sohn. Alles, was du in deinem kurzen Leben gesehen und erlebt hast, wird dir wie ein weit entfernter, unwirklicher Traum erscheinen. Erst wenn die Zeit reif ist, wirst du dich daran erinnern, wer und was du bist. Langsam, damit du dich an den Gedanken gewöhnen kannst. Wenn Alessa so weit ist, nach Hause zurückzukehren, werden wir euch finden. Pass für mich auf Alessa auf, bis ihre Kräfte erwachen. Lass sie niemals allein und achte auf das Feuer. 
Langsam zog er sich aus Garwins Gedanken zurück, betrachtete für einen Augenblick dessen entspannte Gesichtszüge und hauchte ihm einen liebevollen Kuss auf die Stirn, bevor er sich aus der hockenden Haltung erhob. Obwohl alles in ihm danach schrie, bei Garwin zu bleiben, wusste er, dass ihm keine andere Wahl blieb. 
Wenigstens würde sein Sohn nicht die gleichen Qualen durchstehen müssen, die sich durch seine eigenen Eingeweide fraßen, weil er alles zurücklassen musste, was ihm lieb und teuer war. Für Garwin würde er nur noch eine blasse verschwommene Erinnerung sein, die ihm wie ein Traum erschien. Frei von jenem Schmerz, der ihm selbst das Herz zerriss, als er kurze Zeit später die Stufen der Kirche hinablief und in der Dunkelheit verschwand. 




Garwin hob blinzelnd den Kopf, als eine Tür mit einem dumpfen Knall hinter ihm zuschlug. Ein kalter Luftzug fegte über ihn hinweg und ließ ihn erzittern. Staunend blickte er sich in dem riesigen Kirchenschiff um, schaute zur Decke, die sich weit über ihm wölbte, und zu den Buntglasfenstern. Der Mond am Nachthimmel wurde von Wolken verdeckt und war nur schwach erkennbar. Sein Blick wanderte weiter zu den hohen Kerzenleuchtern neben dem Altar, auf dem dicke Stumpenkerzen brannten und die die Umgebung in gedämpftes warmes Licht tauchten. Eine Wärme, wie er sie für sich selbst wünschte. Nicht diese Kälte, die schmerzhaft in seinen Beinen nach oben kroch. Wie war er überhaupt hierher gekommen? Garwin runzelte die Stirn und versuchte, sich zu erinnern. Er wusste es nicht. Genauso wenig, wie er wusste, warum er auf dem kühlen Steinfußboden saß, obwohl sich nur wenige Meter entfernt Bänke befanden. 
Aus dem Augenwinkel bemerkte er eine dunkle Gestalt, die sich schnell näherte, und wandte mit angehaltenem Atem den Kopf. Sein Blick blieb an einer Nonne hängen, die eilig und mit wehender Tracht das Kirchenschiff entlang auf ihn zugelaufen kam. Als er ihre erschrockene Miene sah, schloss er seine Arme enger um das Bündel, das er die ganze Zeit schon fest an seine Brust gedrückt hielt. Leises Wimmern war zu hören und er lockerte seinen Griff. Verwundert schaute er hinab auf das in eine Decke gewickelte Baby, das ihn aus tiefblauen Augen fasziniert ansah. Alessa. Er musste auf sie aufpassen und ihr ein Freund sein, weil … 
Garwin zog die Stirn kraus und überlegte. Weil was? Er hatte es vergessen, erinnerte sich nicht mehr. So, wie er sich nicht mehr daran erinnerte, wie er in die Kirche gekommen war. Aber das war unwichtig. Wichtig war nur Alessa und dass er bei ihr blieb, bis die Zeit reif war. Und dass er auf das Feuer achtete … 

1. Kapitel

Hasyra 
23 Jahre später 
„Ich glaube kaum, dass das heutige Treffen irgendetwas bringen wird. Allein die Erinnerung an das letzte und was es ausgelöst hat, jagt mir noch immer Schauer über den Rücken.“ Caden zog den Umhang fester um seine Schultern, um sich vor dem beißenden Wind zu schützen. Er sah in das verschlossene Gesicht seines Bruders, das seinem so ähnlich war, als wäre er sein Zwilling. Manchmal fühlte er sich ihm auch ebenso verbunden. Doch jetzt konnte er nichts in dessen eisgrauen Augen lesen, denn er verbarg seine Gefühle gut. 
„Nachdem du Dariusʼ rechte Hand den Kopf von den Schultern gerissen und ihn Rayne in den Schoß geworfen hast, war es für Jahre schlimmer als vor dem Treffen.“ 
„Der Mistkerl hatte es verdient“, brummte Cameron und zuckte mit den Schultern. [...]

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