Sonntag, 4. Oktober 2015

REZENSION "Liebe, M.A." von Lina Barold

Als Sira nach einigen Monaten der Funkstille ihrem ehemaligen Professor Silvan Heinrich von Lengenfeld wieder begegnet, flammt die Affäre zwischen den beiden erneut auf. Doch welche Absichten verfolgt Silvan dieses Mal? Kann Sira ihm vertrauen? Und dann erscheint plötzlich jemand auf der Bildfläche, mit dem Sira nicht gerechnet hätte; jemand, mit dem so vieles einfacher erscheint als mit Silvan. Neben ihrem Studienabschluss und einem neuen Job muss Sira sich mit der Frage auseinandersetzen, was sie eigentlich vom Leben und der Liebe erwartet.
Das Autorenduo Lina Barold erzählt in lakonisch-humorvoller Weise mit viel Wortwitz und Verve, bei der aber auch Gefühle, Sinnlichkeit und Dramatik nicht zu kurz kommen, die Geschichte von Sira und Silvan bis zum bittersüßen Ende und stellt dabei die Frage, welche Art von Beziehung überhaupt möglich ist, wenn man nicht mit- aber auch nicht ohneeinander kann.

Seitenanzahl: 500
Preis: 6,99 EUR


Cover:

Allein durch die Farbgestaltung wird das Verhältnis der Protagonisten zueinander gekonnt hervorgehoben. Silvan ist ein schwer zu durchschauender Charakter, der einem viele Dinge ermöglicht, doch in vielerlei Hinsicht kaum Einblicke auf seine Persönlichkeit durchscheinen lässt. Das grau beschreibt nicht nur diese Undurchsichtigkeit des Charakters, sondern auch seine nicht selten beherrscht kühl wirkende Art. Das weiß strahlt in dem sonst eher dunklen Bild eine helle und Freundlichkeit aus, ebenso die zwei vereinzelten rosa Elemente zeigen, dass nicht alles trist bleibt.


Meinung:

Auch wenn die Entscheidungen die wir treffen noch so klein wirken, so können sie doch eine große Wirkung haben. Trotz der Trennung von Silvan wird Siras ganzes Denken von ihm beherrscht. Hinzu kommt Erik, der zum Wechselbad ihrer Gefühle beiträgt und das Mysterium um den Club, in den Silvan Sira damals „entführt“ hat.

Denk' ich bloß mich, sind's meine Wünsche bloß, Die mich zurück aufs Feld der Schlachten rufen?

Siras Veränderungen im zweiten Band werden schnell deutlich. Sie hinterfragt mehr, geht kritischer an Dinge ran und betrachtet sie realistischer. Sie stellt ihre Verbindung zu Silvan in Frage, dennoch kann auch sie sich lange Zeit nicht beantworten, ob das zwischen ihnen zeitlich begrenzte Liebschaft ist oder ob doch mehr daraus erwachsen kann.

Super - entweder ist er unromantisch oder verfressen. Oder ich habe über die ganze Zeit einfach vergessen, dass Silvan Witze macht, bei denen man eigentlich nie weiß, wie er das meint.

Silvan hat hohe Ansprüche, verkompliziert vieles, dabei sind es die einfachen Dinge die für Sira von Bedeutung sind. Sie kämpft um zu Silvan durchzudringen, landet dabei immer wieder auf dem harten Boden der Realität. Ihre Gefühle geben ihr die Kraft nicht aufzugeben, doch die Tatsache, dass es auch Männer gibt, die viel einfacher zu handhaben sind als der strikte Professor machen ihr Vorhaben zu einem noch schwierigerem Unterfangen. Hinzu kommt, dass Sira nicht offen Ausspricht, was sie denkt. Der Mangel an Kommunikation bringt sie noch in einige heikle Situationen. Auch wenn diese teilweise vermeidbar gewesen wären, so geht sie letztendlich klüger daraus hervor.

So schwer Silvan auch zu durchschauen ist, so hat er seine ganz eigene Art, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Vermag man es, ihn richtig einzuschätzen und eben diese Dinge zu erkennen, sieht man als Leser, dass seine Handlungen auch von Zuneigung zeugen.

Manche Menschen liebt man einfach, manche Menschen liebt man kompliziert: Der Kern bleibt die Liebe. 

Ihre Masterarbeit abgeschlossen startet Sira einen neuen Lebensweg, doch auch dieser will nicht ohne Komplikationen verlaufen. Letztendlich steht sie vor der Frage, welche Art von Liebe ist die richtige? Unerwartete Wendungen und ein außergewöhnliches Ende haben diese Dilogie zu einer eindrucksvollen Reise gemacht.



Charaktere:

Sira tritt beinahe in jedes Fettnäpfchen, doch mit Ironie, Sarkasmus und Humor verleiht sie jedem dieser Momente eine besondere Note. Die Zeit mit Silvan hat sie geprägt und wächst noch weiter über sich hinaus. Sie stellt sich die richtigen Fragen und nimmt sich mehr Zeit, die Dinge zu betrachten, doch leider schützt sie das nicht immer davon, der Realität ins Auge zu blicken. 

Silvan der disziplinierte Professor, lässt kaum jemanden an sich ran  ist ein wirklich schwieriger und ganz eigener Charakter. In Verlaufe des Buches erfährt man sehr wenig über ihn, dennoch lernt man durch seine Verhaltensmuster ganz eigene Schlüsse zu ziehen. Silvan ist ein Mann weniger Worte.


Schreibstil:


Die Achterbahnfahrt der Gefühle beschränkt sich nicht nur auf die Charaktere im Buch, die Autorinnen haben mich als Leser in ihre Welt gezogen und meine Nerven bis zum zerreißen gespannt. Durch Nebencharaktere wie Ama und Vicka wird die Geschichte zweitweise in ruhigere Bahnen gelenkt und Ratschläge der besonderen Art geteilt.

Was mir schon im ersten Band besonders gefallen hat, sind die Zitate und das Goethe immer wieder Einzug in die Geschichte findet, einer der bedeutsamsten Repräsentanten deutschsprachiger Dichtung. Lina Barold vereint Vergangenheit und Gegenwart dadurch auf eindrucksvolle Weise.

Ebenso hat das Duo gezeigt, dass das Leben viel für uns bereit hält, die Liebe nicht einer klaren Definition zuzuordnen ist und es zahlreiche Möglichkeiten gibt, einen Weg zu beschreiten. Wir stehen in unserem Leben immer wieder vor Entscheidungen und auch wenn uns diese Angst machen, sollten wir den Mut aufbringen zu wählen, sonst wird uns diese Freiheit mit der Zeit aus der Hand genommen und wohin unser Weg dann geht, ist mit aller Wahrscheinlichkeit schwieriger zu beeinflussen.


"Die Leiden des jungen Werthers" von Johann Wolfgang von Goethe


Bewertung:




Zu den Autorinnen:

Hinter Lina Barold verbergen sich die Literaturübersetzerin Nina Restemeier und die Kulturpädagogin Anna L. Schmidt, beide in den frühen 80ern in Bielefeld geboren und aufgewachsen. Seit den späten 90ern verbindet sie die Freude an Literatur und Lakritz, Theater und Tratsch, Schwärmen und Schreiben. Und Alliterationen. Sie studierten in Düsseldorf, Leipzig, Triest und Bern. Humor und Intelligenz finden sie gleichermaßen sexy wie unterhaltsam. Deswegen schreiben sie darüber.






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